Bio-Milchmarkt im Wandel: Aktuelle Situation und Perspektiven

Der Milchmarkt gehört zu den wichtigsten Märkten im Ökolandbau. Für viele Betriebe ist er die zentrale Einkommensquelle – gleichzeitig hängt dieses Einkommen stark von Entwicklungen ab, die sich kaum beeinflussen lassen.

26 März 2026

Wie hat sich der Bio-Milchmarkt zuletzt entwickelt?
Warum war 2025 ein außergewöhnlich gutes Jahr?
Und warum ist der Ausblick aktuell so schwierig wie selten zuvor?

Im Naturland Podcast WIR BIO-BAUERN spricht Gastgeberin Celine Grau mit Stephan Scholz, Milchmarktexperte bei Naturland, über aktuelle Entwicklungen am Bio-Milchmarkt – und warum die Situation derzeit so schwer einzuschätzen ist.

2025: Ein außergewöhnlich gutes Jahr für Bio-Milch

Rückblickend war 2025 für viele Bio-Milchviehbetriebe ein sehr gutes Jahr.

Laut Stephan Scholz lag der durchschnittliche Auszahlungspreis bei rund 66,5 Cent pro Kilogramm Milch, zuzüglich Nachzahlungen – ein historisch hohes Niveau.

Auffällig war vor allem die Entwicklung im Jahresverlauf:
Die Preise sind kontinuierlich gestiegen und lagen über mehrere Monate hinweg auf einem stabil hohen Niveau.

Von Boom zu Krise – und wieder zurück

Während der Corona-Zeit erlebte der Bio-Bereich einen regelrechten Nachfrageboom. Viele Produkte waren stark gefragt, teilweise konnte die Nachfrage kaum gedeckt werden.

Doch danach folgte eine Phase, die viele Betriebe deutlich gespürt haben.

Laut Stephan Scholz haben vor allem folgende Faktoren den Markt belastet:

  • Inflation

  • Kaufzurückhaltung der Verbraucher

  • globale Krisen

In dieser Zeit konnten Preise nicht weiter steigen – teilweise gerieten sie sogar unter Druck.

Seit 2024 zeigt sich wieder ein Aufwärtstrend:
Die Nachfrage steigt, das Angebot passt sich langsam an – und genau dieses Zusammenspiel hat 2025 zu den hohen Preisen geführt.

Ein entscheidender Punkt dabei:
Die Nachfrage war stärker als das Angebot.

Bio- und konventioneller Markt: Zwei Systeme – aber verbunden

Auch wenn Bio- und konventioneller Milchmarkt unterschiedlich funktionieren, sind sie eng miteinander verknüpft.

Der konventionelle Markt ist laut Stephan Scholz stark exportabhängig
und produziert deutlich mehr Milch, als im Inland benötigt wird.

Das macht ihn besonders anfällig für Schwankungen.

Genau das hat sich 2025 gezeigt:
Die Preise im konventionellen Bereich sind deutlich gefallen – mit direkten Auswirkungen auf den Bio-Markt.

Denn im Supermarkt stehen die Produkte nebeneinander:
Wenn der Preisunterschied zu groß wird, greifen viele Verbraucherinnen und Verbraucher wieder zum günstigeren Produkt.

Diese sogenannten Wechselkäufe wirken sich unmittelbar auf die Nachfrage nach Bio-Produkten aus – und damit auch auf den Milchpreis.

Die aktuelle Lage: stabil – aber mit Unsicherheiten

Zu Beginn des Jahres 2026 haben sich die Preise zunächst stabilisiert – sowohl im konventionellen als auch im Bio-Bereich.

Allerdings auf sehr unterschiedlichem Niveau:
Während konventionelle Milch zuletzt bei rund 40 Cent lag, bewegt sich Bio-Preis im Schnitt weiterhin bei über 65 Cent.

Für Bio-Betriebe ist das zunächst positiv.

Gleichzeitig sieht Stephan Scholz darin auch ein Risiko:
Ein großer Preisabstand kann dazu führen,
dass Verbraucherinnen und Verbraucher häufiger zu günstigeren Produkten greifen.

Umstellung: Aktuell eher zurückhaltend

Trotz der vergleichsweise guten Bio-Preise zeigt sich aktuell ein überraschendes Bild:
Die Zahl der Betriebe, die auf Bio umstellen wollen, ist eher gering.

Während früher viele Betriebe großes Interesse zeigten, kommen heute deutlich weniger zu Informationsveranstaltungen.

Ein Grund dafür:
Die Unsicherheit über die zukünftige Marktentwicklung.

Wie geht es weiter: Zwei mögliche Szenarien

Eine klare Prognose ist aktuell kaum möglich.

Deshalb beschreibt Stephan Scholz zwei mögliche Szenarien:

Optimistisches Szenario:

  • Bio-Preise stabilisieren sich bei etwa 63–64 Cent

  • konventionelle Preise bleiben stabil

  • Nachfrage bleibt bestehen

Pessimistisches Szenario:

  • konventionelle Preise fallen weiter

  • Bio-Preise geraten ebenfalls unter Druck

  • stärkere Wechselkäufe im Handel

Die tatsächliche Entwicklung wird sich laut Scholz wahrscheinlich zwischen diesen beiden Szenarien bewegen.

Warum Prognosen aktuell so schwierig sind

Was die Situation besonders komplex macht:
Viele Einflussfaktoren lassen sich kaum vorhersagen.

Dazu gehören laut Stephan Scholz unter anderem:

  • schwankende Milchmengen (z. B. durch Tiergesundheit oder Futterqualität)

  • globale Krisen und politische Entwicklungen

  • steigende Kosten, etwa durch Energiepreise

  • Veränderungen im Konsumverhalten

Gerade diese Vielzahl an Faktoren führt dazu, dass aktuell keine verlässlichen Prognosen abgegeben werden können.

Fazit: Viel Bewegung – wenig Planbarkeit

Der Bio-Milchmarkt befindet sich aktuell in einer Phase, die von zwei Dingen gleichzeitig geprägt ist:

  • grundsätzlich stabile und vergleichsweise gute Preise

  • gleichzeitig eine hohe Unsicherheit über die weitere Entwicklung

Für Betriebe bedeutet das:
Planung wird schwieriger – und Entscheidungen müssen oft unter Unsicherheit getroffen werden.

🎧Hör dir jetzt die Folge an und verschaffe dir einen Überblick über den aktuellen Bio-Milchmarkt.

Du hast noch weitere Fragen zum Milchmarkt, schick sie gerne an Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein.

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Im zweiten Teil der Folge geht es noch konkreter weiter:
Wie entsteht der Milchpreis eigentlich genau?
Warum gibt es große Unterschiede in den Auszahlungspreisen der Molkereien?
Und wer bestimmt am Ende wirklich den Preis?

 

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