Pflug oder pfluglos im Ökolandbau: Eine Frage des Systems, nicht der Ideologie
Die Diskussion um den Pflug begleitet den Ökolandbau seit Jahrzehnten. Bio-Bauer Alois Gimplinger beschäftigt seit 15 Jahren mit pflugloser Bodenbearbeitung. Im Naturland Podcast WIR BIO-BAUERN diskutiert Gastgeberin Celine Grau mit Ackerbauberater Stefan Veeh und Alois Gimplinger.
Pfluglos bedeutet nicht einfach, den Pflug in die Halle zu stellen und stattdessen einmal flach zu grubbern. Darin sind sich Veeh und Gimplinger im Naturland Podcast einig. Wer von der klassischen Lockerbodenwirtschaft in ein pflugloses System wechselt, verändert nicht nur die Arbeitstiefe – sondern das gesamte Anbausystem. Fruchtfolge, Zwischenfrüchte, Sätechnik, Organikmanagement und das Timing einzelner Maßnahmen greifen ineinander. Wird nur eine Stellschraube verändert, ohne die anderen mitzudenken, entstehen schnell Probleme.
Stefan Veeh beschreibt aus der Beratungspraxis, dass gerade in der Umstellungsphase Geduld gefragt ist. Je nach Standort und Bodenart kann es mehrere Jahre dauern, bis sich Struktur, Tragfähigkeit und Nährstoffdynamik stabilisieren. Auf leichteren Böden geschieht das oft schneller, auf schweren Standorten kann es deutlich länger dauern.
Pfluglos: Schrittweise Umstellung
Alois Gimplinger bewirtschaftet überwiegend erosionsanfällige Hanglagen. Die Bandbreite reicht von lehmigem Sand bis zu schluffigem Lehm, mit 850 bis 900 Millimetern Jahresniederschlag spielt Wasserknappheit eine geringere Rolle als in anderen Regionen – dafür ist der Schutz vor Bodenerosion umso wichtiger.
Die Umstellung auf pfluglos erfolgte nicht von heute auf morgen. Zunächst wurden „einfachere“ Kulturen pfluglos bestellt, später kamen anspruchsvollere Fruchtfolgeschritte hinzu
Wichtig war dabei auch: Der Pflug wurde nicht ideologisch verteufelt. In einzelnen Jahren wurde er weiterhin eingesetzt. Erst als klar war, dass das System auch ohne Pflugeinsatz stabil funktioniert, wurde er endgültig verkauft.
Bio ohne Pflug – geht das?
Eine häufige Annahme lautet: Im Ökolandbau führt kein Weg am Pflug vorbei. Besonders bei der Beikrautregulierung scheint er vielen als unverzichtbar.
Alois’ Erfahrung zeigt jedoch, dass es auch anders geht – vorausgesetzt, das Gesamtsystem ist stimmig. Entscheidend sind eine durchdachte Fruchtfolge, konsequente Zwischenfruchtstrategien und ein gutes Nährstoffmanagement. Bei Wurzelunkräutern wie Disteln oder Ampfer sieht er die Ursachen weniger in der fehlenden Bodenbearbeitung, sondern häufiger in Stickstoffverlagerung, Verdichtungen oder einem ungünstigen pH-Wert.
Stefan ergänzt, dass insbesondere Ungräser wie Ackerfuchsschwanz sensibel auf Bearbeitungstiefe und -zeitpunkt reagieren. Auch hier zeigt sich: Nicht das einzelne Gerät entscheidet, sondern das Zusammenspiel aller Maßnahmen.
Fruchtfolge und Organik als Fundament
Ein zentrales Element im Betrieb von Alois ist die konsequente Begrünungsstrategie. Offene Böden vermeidet er bewusst. Zwischenfrüchte, Untersaaten, zweistufige Begrünungen und gezielte Flächenrotte sorgen dafür, dass das Bodenleben kontinuierlich mit organischer Substanz versorgt wird.
Denn eines wird in der Folge deutlich: Bodenfruchtbarkeit entsteht nicht durch ein Gerät. Sie entsteht durch lebendige Wurzeln, organische Substanz, Leguminosen und eine vielfältige Fruchtfolge.
Wann der Pflug sinnvoll sein kann
Trotz aller Vorteile pflugloser Systeme bleibt der Pflug in bestimmten Konstellationen ein sinnvolles Werkzeug. Gerade auf schweren, trägen Standorten oder in speziellen Umbruchssituationen kann er Vorteile bringen. Stefan empfiehlt daher, eigene Versuche anzulegen und verschiedene Bearbeitungssysteme über mehrere Jahre zu vergleichen.
Ertrag, Bodenstruktur, Unkrautdruck und Wasserführung liefern dabei objektive Hinweise, welches System zum jeweiligen Betrieb passt.
Was sich im Boden langfristig verändert
Wird auf tiefes Pflügen verzichtet, verändert sich das Bodenleben über die Jahre. Organische Substanz wird schneller umgesetzt, die Tragfähigkeit kann steigen, die Struktur stabilisiert sich. Doch diese Effekte entstehen nicht allein durch das Weglassen des Pflugs – sondern durch das Zusammenspiel aus Zwischenfrüchten, Wurzelaktivität und organischer Düngung.
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Dann hör dir die komplette Podcast-Folge an und nimm die wichtigste Botschaft mit:
Nicht die Maschine entscheidet – dein Boden entscheidet.
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