Bio-Milchmarkt im Wandel: Milchpreise, Molkereien und Einflussfaktoren

Warum unterscheiden sich Milchpreise zwischen Molkereien teilweise deutlich – und welche Faktoren bestimmen die Auszahlungspreise?

02 April 2026

Im zweiten Teil der Podcast-Folge zum Bio-Milchmarkt geht es genau darum: um die Mechanismen hinter dem Milchpreis auf Betriebsebene.

Im Naturland Podcast WIR BIO-BAUERN spricht Celine Grau mit Stephan Scholz, Milchmarktexperte bei Naturland, darüber, wie Milchpreise entstehen – und welche Rolle Molkereien, Handel und Verbraucherinnen und Verbraucher dabei spielen.

Milchpreise: Warum Unterschiede von mehreren Cent entstehen

Ein Blick auf aktuelle Milchpreisvergleiche zeigt:
Zwischen Molkereien können Unterschiede von bis zu 9 Cent pro Kilogramm Milch entstehen.

Laut Stephan Scholz liegt das vor allem an den unterschiedlichen Strukturen der Molkereien.

Es gibt kleinere, reine Bio-Molkereien – und große Molkereien, die zusätzlich stark im konventionellen Bereich aktiv sind. Diese Unterschiede wirken sich direkt auf die Möglichkeiten am Markt aus.

Auch Investitionen spielen eine Rolle:
Molkereien, die gerade viel investiert haben, haben höhere Kosten und damit weniger Spielraum bei der Auszahlung. Andere können in bestimmten Phasen höhere Preise zahlen.

Warum Molkereien nicht einfach „mehr auszahlen“ können

Immer wieder wird die Frage gestellt, ob Molkereien grundsätzlich höhere Preise zahlen könnten.

Laut Stephan Scholz ist das nur begrenzt möglich.
Denn am Ende gilt: Eine Molkerei kann nur das auszahlen, was sie am Markt erwirtschaftet.

Ein kurzfristig hoher Preis kann attraktiv sein –
wenn er wirtschaftlich nicht abgesichert ist, entsteht langfristig ein Risiko für die gesamte Molkerei.

Molkereiwechsel: Theoretisch möglich, praktisch oft schwierig

In der Theorie könnten Betriebe zu einer Molkerei mit besseren Preisen wechseln.

In der Praxis ist das jedoch häufig eingeschränkt.

Zum einen ist die Auswahl regional begrenzt.
Zum anderen gibt es lange Kündigungsfristen – oft bis zu zwei Jahre.

Hinzu kommt:
Viele Betriebe sind ihrer Molkerei gegenüber langfristig verbunden.

Deshalb gilt laut Stephan Scholz ein wichtiger Grundsatz:
Nicht der kurzfristige Preis ist entscheidend – sondern der langfristige Durchschnitt.

Handel, Verbraucher und Markt: Wer bestimmt den Preis?

Oft wird der Lebensmitteleinzelhandel als Hauptverantwortlicher für niedrige Preise gesehen.

Laut Stephan Scholz greift diese Sichtweise zu kurz.

Zwar setzen insbesondere Discounter starke Preissignale –
doch auch andere Akteure haben Einfluss auf das Preisniveau.

Eine zentrale Rolle spielen die Verbraucherinnen und Verbraucher.
Denn letztlich entscheidet das Kaufverhalten im Supermarkt darüber, welche Produkte nachgefragt werden.

Österreichische Naturland Betriebe: Ein Blick über die Grenze

Ein Teil der Diskussion im Markt betrifft die Rolle österreichischer Betriebe.

Hier gibt es unterschiedliche Perspektiven:
Während einige deutsche Betriebe Importmengen kritisch sehen, berichten einzelne österreichische Betriebe von strukturellen Zwängen.

Laut Stephan Scholz zeigt die Praxis jedoch ein differenziertes Bild.

Die importierten Mengen bewegen sich in einem überschaubaren Rahmen und dienen vor allem dazu, den Markt stabil zu versorgen.

Gleichzeitig ermöglicht die Naturland Zertifizierung den Betrieben weiterhin einen Zugang zum Markt.

Milchalternativen: Entwicklung mit begrenztem Einfluss

Pflanzliche Alternativen wie Hafer- oder Sojadrinks haben in den letzten Jahren an Bedeutung gewonnen.

Laut Stephan Scholz stellen sie aktuell jedoch keine direkte Konkurrenz dar, die den Milchmarkt grundlegend verändert.

Ein interessanter Aspekt:
Ein großer Teil dieser Produkte ist ebenfalls bio-zertifiziert.

Einige Molkereien reagieren darauf, indem sie ihr Angebot entsprechend erweitern.

Orientierungspreis: Was Milch eigentlich kosten müsste

Ein wichtiger Referenzwert im Markt ist der sogenannte Orientierungspreis.

Dieser liegt aktuell bei rund 70 Cent pro Kilogramm Milch und basiert auf einer Vollkostenberechnung.

Er zeigt, welcher Preis langfristig notwendig ist, um kostendeckend wirtschaften zu können.

Fazit: Viele Faktoren bestimmen den Milchpreis

Der Milchpreis entsteht nicht an einer einzelnen Stelle,
sondern im Zusammenspiel aller Akteure entlang der Wertschöpfungskette.

Dazu gehören:

  • Landwirte und Landwirtinnen

  • Molkereien

  • Handel

  • Verbraucherinnen und Verbraucher

  • sowie allgemeine Marktbedingungen

Für landwirtschaftliche Betriebe bedeutet das:
Nicht alle Einflussfaktoren lassen sich steuern –
aber viele Zusammenhänge lassen sich besser einordnen.

🎧 Hör dir jetzt den zweiten Teil der Folge an und erfahre, wie Milchpreise im Bio-Markt entstehen.

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