Junghennen einstallen: Was in den ersten Tagen wirklich zählt

Das Einstallen von Junghennen gilt als eine der entscheidenden Phasen in der Legehennenhaltung. In kurzer Zeit treffen zahlreiche Einflussfaktoren aufeinander: Transport, neue Umgebung, veränderte Fütterung und ein neues Management.

16 April 2026

Im Naturland Podcast WIR BIO-BAUERN spricht Gastgeberin Celine Grau mit der Geflügelberaterin Franziska Müller über genau diese Phase. Deutlich wird dabei: Ein gelungener Start hängt nicht an einzelnen Maßnahmen – sondern am Zusammenspiel des gesamten Systems.

Einstallen heißt: das gesamte System vorbereiten

Das Einstallen beginnt nicht mit der Ankunft der Tiere, sondern lange davor. Technik, Stallklima, Hygiene und Abläufe müssen bereits im Vorfeld zuverlässig funktionieren.

Wie Franziska Müller in der Podcast-Folge betont, müssen Lüftung, Fütterung, Tränkesysteme und Stalltechnik vollständig einsatzbereit sein. Nachträgliche Anpassungen während der Eingewöhnung sind nicht nur aufwendig, sondern bedeuten zusätzlichen Stress für die Tiere.

Ebenso zentral ist die Hygiene. Reinigung und Desinfektion bilden die Grundlage für eine stabilen Gesundheit unserer Junghennen. Parasiten wie Milben müssen frühzeitig erkannt und konsequent bekämpft werden.

Neben den technischen Voraussetzungen spielt auch der Umgang mit den Tieren eine Rolle. Franziska Müller beschreibt Junghennen als besonders lernfähig und sensibel gegenüber ihrer Umgebung. Ein ruhiger, strukturierter Umgang unterstützt die Eingewöhnung.

Die ersten Tage: Stabilität statt Optimierung

Die Phase unmittelbar nach dem Einstallen entscheidet maßgeblich über die weitere Entwicklung der Herde. Ziel ist es, den Tieren schnell Orientierung zu geben und Stress möglichst gering zu halten.

Futter und Wasser müssen vom ersten Moment an verfügbar sein. Wie in der Folge deutlich wird, orientieren sich die Tiere stark am Verhalten der Gruppe – beginnen einzelne Tiere zu fressen, folgen andere nach.

Franziska Müller macht klar: In dieser Phase steht nicht die Optimierung einzelner Kennzahlen im Vordergrund, sondern die Stabilität des Systems. Gleichmäßige Abläufe, konstante Bedingungen und eine ruhige Umgebung fördern die Entwicklung.

Gleichmäßigkeit als entscheidender Faktor

Ein zentrales Kriterium für den Erfolg ist die Uniformität der Herde. Nicht das Durchschnittsgewicht ist ausschlaggebend, sondern die Verteilung innerhalb der Gruppe.

Große Unterschiede im Gewicht können laut Franziska Müller zu Konkurrenz, ungleicher Futteraufnahme und später zu ungleichem Legebeginn führen. Ziel ist es daher, die Tiere möglichst gleichmäßig zu entwickeln.

Zielgewichte mit ca. 18 Wochen: Q.: Lohmann Breeders Managementguide

  • Braunleger: 1.448–1.538 g
  • Weißleger: 1.267–1.345 g
  • Cremeleger: 1.372-1.456 g

Gewichtsverluste von 5–10 % durch Transport sind normal, sollten aber innerhalb einer Woche ausgeglichen werden.
Eine Uniformität von über 80 % ist entscheidend, da große Unterschiede Verhaltensstörungen begünstigen können.

👉 Praxis-Tipp aus der Folge: regelmäßig Tiere wiegen und mit Sollkurven vergleichen

Futteraufnahme stabilisieren

Futter- und Wasseraufnahme sind eng miteinander verknüpft. Veränderungen in einem Bereich wirken sich unmittelbar auf den anderen aus.

Nach dem Einstallen sollten die Junghennen möglichst schnell wieder das Futteraufnahmeniveau aus der Aufzucht erreichen. Dieses liegt laut Franziska Müller bei etwa 80 g pro Tier und Tag. Mit Beginn der Legetätigkeit steigt der Bedarf kontinuierlich an – zur Legespitze werden ca. 135 g angestrebt. Dies ist abhängig von der Futterzusammensetzung und der Nährstoffkonzentration

Wichtig ist dabei eine möglichst gleichmäßige Futteraufnahme. Größere Schwankungen belasten den Verdauungstrakt und können Erkrankungen begünstigen.

Zur Stabilisierung der Futteraufnahme nennt die Podcast-Folge mehrere Ansätze:

  • Einsatz von Vorlegefutter zur Unterstützung des Übergangs der Junghenne in den Legebetrieb

  • rechtzeitige Umstellung auf Legehennenfutter

  • den Trog regelmäßig leer fressen lassen

  • Blockfütterung zur Verbesserung der Futteraufnahme auch bei rangniederen Tieren

Wasser – oft unterschätzt, aber entscheidend

Wie Franziska Müller betont, stehen Futter- und Wasseraufnahme in engem Zusammenhang. Veränderungen in einem Bereich wirken sich direkt auf den anderen aus.

Futter- und Wasseraufnahme sollten täglich kontrolliert werden – idealerweise digital. Entscheidend beim Tränkewasser ist dabei:

  • Wasserqualität

  • Regelmäßiges Reinigen der Leitungen

  • Vermeidung von Biofilm

Ein Biofilm kann die Tiere dauerhaft krank machen.

Ergänzend weist sie darauf hin, dass Hühner Magensteine benötigen. Um die Verdauung und Nährstoffverwertung zu unterstützen, wird mit Hilfe der Magensteine im Muskelmagen das Futter mechanisch zerkleinert und so die Nährstoffverwertung deutlich verbessert

Licht als Steuerungsinstrument

Das Licht ist ein zentrales Steuerungsinstrument für die Entwicklung der Junghennen.

In der Aufzucht liegt die Tageslichtdauer meist bei 8 bis 10 Stunden und wird ab der 18. Lebenswoche auf dem Legebetrieb schrittweise auf etwa 16 Stunden erhöht.

Franziska Müller macht in der Folge deutlich, dass eine zu frühe Stimulation problematisch sein kann.  Die Tiere sind unter Umständen nicht ausreichend entwickelt, wenn die Eiproduktion voll anläuft. Nach Müllers Erfahrung haben solche Herden häufig eine niedere Persistenz und eine kürzere Legeperiode.

Das Lichtprogramm sollte daher immer im Zusammenhang mit Gewicht, Alter und Herdenentwicklung betrachtet werden.

Verhalten beobachten und verstehen

Die Beobachtung der Tiere ist ein zentrales Instrument im Herdenmanagement.

Wie Franziska Müller beschreibt, liefern Veränderungen im Verhalten oft die ersten Hinweise auf Probleme. Unruhe, auffällige Geräusche oder eine ungleichmäßige Verteilung im Stall sind ernst zu nehmen.

Beschäftigungsmaterial kann helfen, Stress zu reduzieren und Verhaltensprobleme zu vermeiden. Gleichzeitig unterstützt es das natürliche Verhalten der Tiere.

Nestmanagement: Verhalten gezielt lenken

Junghennen sind neugierig, gleichzeitig aber auch Gewohnheitstiere. Veränderungen im Stall benötigen Zeit zur Anpassung.

Ein frühzeitiges Öffnen der Nester nach dem Einstallen wirkt sich laut Franziska Müller positiv auf das Verhalten zur Eiablage aus. Gleichzeitig ist das Schließen der Nester bei Nacht sehr zu empfehlen, da die Hennen sonst eventuell darin schlafen und die Nester dabei einkoten.

Verlegte Eier müssen konsequent eingesammelt werden, um unerwünschtes Verhalten nicht zu verstärken.

Fazit

Die Podcast-Folge zeigt deutlich: Erfolgreiches Einstallen ist kein einzelner Arbeitsschritt, sondern ein Zusammenspiel vieler Faktoren.

Technik, Fütterung, Wasser, Licht, Tierbeobachtung und Management greifen ineinander. Wie Franziska Müller zusammenfasst, entsteht ein stabiler Start nur dann, wenn alle Stellschrauben aufeinander abgestimmt sind.

Ein gelungener Einstieg in die Legephase ist damit vor allem eines: das Ergebnis eines funktionierenden Systems.

🎧 Die wichtigsten Praxistipps gibt es in der vollständigen Folge.
Sie zeigt, worauf es in den ersten Tagen wirklich ankommt.

Wie wird das Einstallen auf anderen Betrieben umgesetzt?
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Mehr Infos findest du im Artikel aus der Ausgabe 4/2025 der Naturland Nachrichten:

👉 Ausgabe 4/2025: Hier klicken und lesen!

 

 

 

 

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