Einstieg in die Bio-Masthähnchenhaltung
Bio-Masthähnchen sind gefragt – und bieten Chancen für Betriebe, die neue Wege im Ökolandbau gehen wollen. Doch wie sehen Haltung, Wirtschaftlichkeit und Stallstruktur in der Praxis aus?
Marktpotenzial: Bio-Hähnchen auf dem Vormarsch
Der Markt für Bio-Masthähnchen hat in den letzten Jahren eine beachtliche Entwicklung hingelegt. Während der Pandemie schnellte die Nachfrage nach regional erzeugtem Fleisch in die Höhe – und auch nach einer kurzen Konsumflaute steigt der Absatz wieder deutlich an.
Aktuelle Entwicklungen:
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Bio-Hähnchenfleisch wird zunehmend über den Lebensmitteleinzelhandel angeboten – auch im Discounter.
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In Österreich liegt der Bio-Anteil in der Hähnchenmast bereits bei 22 %, in Deutschland dagegen nur bei rund 2 %.
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Besonders gefragt: hohe Tierwohlstandards, regionale Herkunft, kurze Transportwege.
Fazit: Die Nachfrage wächst – der Markt sucht Bio-Tierhalter.
Haltungssysteme: Von der Stallgröße bis zum Auslauf
Die ökologische Masthähnchenhaltung ist klar geregelt. Laut EU-Bio-Verordnung dürfen maximal 4.800 Tiere pro Einheit gehalten werden – mit bis zu drei Einheiten je Betrieb. Ein bewährtes System ist die Haltung mit Vormast, bei der die Küken zunächst 21–28 Tage im Vormastbereich aufgezogen werden, bevor sie in den Maststall wechseln.

Bild: Bio-Masthähnchenstall Quelle: Sabine Bielmeier, Naturland
Typische Haltungsform:
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9.600 bis 12.800 Tiere mit Vormast
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1200 m² Stallfläche je nach Endgewicht (incl. Wintergarten)
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400-600 m² Vormastfläche
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4 m² Auslauf pro Tier
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Stall in zwei Abteile à 4.800 Tiere unterteilt
Auslauf & Tierwohl:
Der Auslauf muss spätestens ab dem 29. Lebenstag jederzeit zugänglich sein – mind. ein Drittel der Lebenszeit.
Technik, Management & Stallklima
Die Bio-Masthähnchenhaltung setzt auf automatisierte Technik – kombiniert mit intensiver Tierbeobachtung.
Technische Anforderungen:
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Vollautomatische Lüftung, Heizung, Fütterung
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Anfangs 34 °C Raumtemperatur → schrittweise Absenkung auf 18 °C
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Zwei tägliche Kontrollgänge sind Pflicht
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Leerstand von 7–14 Tagen zwischen den Durchgängen für Reinigung & Hygiene
Fütterung & Aufzucht:
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In der Regel mit Bio-Fertigfutter
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Schlachtalter: ca. 56 bis 62 Tage
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Endgewicht: 2,3–2,6 kg
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Futterverwertung: 1:2,1 bis 1:2,4
Wer konsequent beobachtet, kann Ausfälle gering halten und stabile Ergebnisse erzielen.
Wirtschaftlichkeit: Deckungsbeitrag und Investitionsrahmen
Der Deckungsbeitrag pro Tier liegt bei rund 2,50 € – nach Abzug der Futter- und Kükenkosten. Hinzu kommen laufende Kosten wie Heizung, Einstreu, Desinfektion und Strom.
💸 Beispielrechnung (bei 9.600 Tieren):
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Deckungsbeitrag pro Jahr: ca. 114.000 €
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Verluste: in der Regel unter 2 %
Stallbau & Fördermöglichkeiten
Die Bio-Masthähnchenhaltung ist investitionsintensiv. Für einen Stall mit 9.600 Tieren (inkl. Vormast, Zufahrt, Heizhaus etc.) liegen die Investitionskosten aktuell bei ca. 1,25 Mio. € netto.
Kosten pro Mastplatz: 100–150 €
Fazit: Bio-Masthähnchen – Zukunftsmodell für deinen Hof?
Wer in die Bio-Masthähnchenhaltung einsteigt, braucht Planungssicherheit, gute Beratung und das passende Betriebskonzept. Dafür winkt ein stabiler Markt mit Perspektive – und ein wertvoller Beitrag zur regionalen Versorgung mit Bio-Geflügel.
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