Fit im Bio-Boden – Strategien für gesunde Leguminosenbestände
Ackerbohne, Erbse, Klee, Luzerne & Co. sind echte Multitalente – sie bringen Stickstoff in den Boden, verbessern die Bodenstruktur und liefern heimisches Eiweiß. Doch wer sie zu oft anbaut, riskiert die Gefahr der Leguminosen- oder Kleemüdigkeit.
Leistungen der Leguminosen
Ob als Eiweißfutter, zur Stickstofffixierung oder Auflockerung getreidestarker Fruchtfolgen – Leguminosen sind im Ökolandbau unverzichtbar. Ihre Vorteile:
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Fixierung von Luftstickstoff durch Rhizobien
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Hoher Vorfruchtwert für Bodenstruktur und Gare
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Förderung der Humusbildung
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Erzeugung von heimischem Eiweiß für die Tier- und Humanernährung
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Beitrag zur Biodiversität
Doch bei zu häufiger Nutzung reagieren Leguminosen empfindlich. Wird die Anbaupause zu kurz gewählt, behindern sie sich selbst – mit Folgen die den Anbau für längere Zeit einschränken.
Was ist Leguminosenmüdigkeit?
Leguminosenmüdigkeit beschreibt die abnehmende Wüchsigkeit der Leguminosen, wenn sie zu häufig oder zu kurz hintereinander auf derselben Fläche angebaut werden. Die Folgen sind zunehmend lückig werdende Bestände und Ertragsrückgange, was oft über mehrere Anbaujahre hinweg beobachtet wird.

Rechts wüchsiger und links kleemüder Bestand
Ursachen: Das steckt hinter der Kleemüdigkeit
Hauptursachen der Kleemüdigkeit konnten bodenbürtige Schadpilze sowie bestimmte pflanzenparasitische Nematoden identifiziert werden. Diese Organismengruppen führen zu Wurzel- und Bestandesdepressionen, die sich über mehrere Anbaujahre hinweg verstärken können. Schadinsekten hingegen hatten nach den vorliegenden Ergebnissen keinen Einfluss auf das Auftreten der Kleemüdigkeit. Auch die Beteiligung von symbiosebildenden Mikroorganismen, insbesondere Rhizobien und Mykorrhizapilzen, konnte am Auftreten der Kleemüdigkeit ausgeschlossen werden – weniger vitale Pflanzen gehen allerdings seltener Symbiosen mit Mykorrhizapilzen ein.
Auf der Seite der abiotischen Standortfaktoren erwiesen sich insbesondere Nährstoffmängel – vor allem an Schwefel, Bor und Kupfer – sowie zu niedrige pH-Werte als förderliche Bedingungen für das Auftreten von Kleemüdigkeit. Der pH-Wert zeigte zudem deutliche Wechselwirkungen mit biotischen Stressfaktoren: Auf Standorten mit pH-Werten im niedrigeren Bereich wurden die Schadschwellenwerte für Nematoden häufiger überschritten. In einzelnen Fällen spielte auch Bodenverdichtung eine Rolle, die über eingeschränkte Durchwurzelbarkeit und verringerte Sauerstoffversorgung das Pflanzenwachstum zusätzlich beeinträchtigen kann.
Anbaupausen: So viel Abstand brauchen deine Leguminosen
Die richtige Fruchtfolge ist der zentrale Hebel zur Vorbeugung. Je nach Art sollten die empfohlenen Pausen beim Anbau eingehalten werden:
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Leguminose |
Empfohlene Anbaupause |
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Erbse |
6–9 Jahre |
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Ackerbohne |
5–7 Jahre |
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Lupine |
5–6 Jahre |
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Rotklee / Luzerne |
5–7 Jahre |
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Soja |
2–3 Jahre |
Wichtig: Auch bei Gemengen mit Leguminosen (z. B. Erbse-Gerste) zählt der Abstand und Zwischenfrüchte müssen bei der Planung ebenfalls berücksichtigt werden. Zudem muss auch auf einen ausreichenden Abstand zwischen verschiedenen Leguminosenarten wie Klee/Luzerne und Körnerleguminosen (insbesondere Erbse) geachtet werden.
https://www.legunet.de/anbau/anbau-/-kultur/anbaupausen
Differenzialdiagnose: So erkennst du die Ursachen der Leguminosenmüdigkeit im Betrieb
Um Hinweise auf mögliche auslösende Faktoren bei Anzeichen der Leguminosenmüdigkeit in deinem Betrieb zu bekommen, kannst du die Differenzialmethode anwenden. Sie ist sowohl für Körner- als auch für Futterleguminosen anwendbar. Anleitungen findest Du hier:
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Für Futterleguminosen:
https://www.oekolandbau.de/fileadmin/redaktion/dokumente/Forschung/Praxismerkblaetter/18EPS014_Wissenstransfer_TriSick_AP1_.pdf - Für Körnerleguminosen:
https://www.thuenen.de/media/institute/ol/Arbeitsgebiete/Integrale_Produktionssysteme/Acker-_und_Futterbau_HB/downloads/Broschuere_Koernerleguminosen_Bodenfruchtbarkeit.pdf
Vorbeugen: Das kannst du tun
Wer strategisch plant, kann Leguminosenmüdigkeit vermeiden. Die wichtigsten Maßnahmen:
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Anbaupausen einhalten
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Zwischenfruchtwahl anpassen
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pH-Wert im Idealbereich halten
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Nährstoffversorgung regelmäßig kontrollieren
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Einsatz von organischen Düngern in der Fruchtfolge wie Kompost oder Mist
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Bodenstruktur und Gare aktiv fördern
Optimale Wuchsbedingungen für vitale Leguminosen schaffen (Aussaatzeitpunkt und Bedingungen für einen gleichmäßigen Feldaufgang, Beikrautregulierung).
Fazit
Leguminosenmüdigkeit hat viele mögliche Ursachen, die schlagspezifisch abzuklären sind. Sie kann durch ein ein Zusammenspiel von Schadpilzen, Nematoden, Nährstoffmängeln und Standortfaktoren entstehen und führt zu schwachen Beständen und Ertragsverlusten. Vorbeugung gelingt nur durch weite Anbaupausen, ausgewogene Nährstoffversorgung, angepassten pH-Wert und eine weite Fruchtfolge.
Wie zeigt sich Leguminosenmüdigkeit in der Praxis? Welche Symptome deuten auf Probleme im Boden hin – und wie kannst du als Betrieb früh gegensteuern?
All das klären wir im Podcast.

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