Schweine im Hitzestress

Sommerhitze bringt Schweine an ihre Grenzen – schon ab 18 °C droht Hitzestress. Sie liegen im Kotbereich, suchen Abkühlung – das kann jedoch gravierende Folgen für Tiergesundheit, Stallhygiene und Arbeitsbelastung haben.
Wie Bio-Betriebe mit Struktur, Kühlung und guter Beobachtung dagegenhalten können, erfährst du hier.

29 Juni 2025

Tierverhalten verstehen – Hitzestress früh erkennen

Schweine zeigen Hitzestress durch:

  • verstärkte Atmung,
  • verändertes Liegeverhalten (z. B. im Kotbereich),
  • geringere Futteraufnahme,
  • Blockade der Tränken (wenn dort auch geruht wird).

Das kann schnell zu Funktionsstörungen im Stall führen – etwa wenn der Liegebereich verkotet und aufwendig per Hand gereinigt werden muss. Besonders in Altställen ohne maschinelle Entmistung wird das zur Arbeitsfalle.

Drei Funktionsbereiche im Schweinestall – so bleiben sie sauber

1. Liegebereich

  • Nicht zu groß anlegen, da Schweine freie Ecken sonst schnell als Toilette nutzen.
  • Rückwände verschiebbar gestalten – die Bucht wächst mit den Tieren mit.
  • Tränken raus aus dem Liegebereich – feuchte Stellen animieren zum Koten.
  • Zugang zum  Auslauf an der Seite, nicht mittig – so bleibt mindestens ein „Koteck“ erhalten.
    Ungenützte Ecken können schnell verkoten. Eine Raufe kann hier Abhilfe (Quelle: Beratung für Naturland)
    Ungenützte Ecken können schnell verkoten. Eine Raufe kann hier Abhilfe (Quelle: Beratung für Naturland)

2. Aktivitätsbereich

  • Sommer: weniger Einstreu, damit Kühlung über den Boden möglich bleibt.
  • Eine klare Mistachse ermöglicht maschinelles Entmisten – spart Zeit und Arbeit.

3. Kotbereich

  • Offene Trenngitter zu Nachbarbuchten motivieren Schweine, dort zu koten.
  • Tränken im Kotbereich helfen, diesen feucht zu halten – das regt an, dort Kot abzusetzen.
  • Kühlung durch Duschen oder Berieselung erhöht die Akzeptanz des Bereichs zusätzlich.
  • Betonflächen mit Wasserkontakt (z. B. über Berieselung oder Suhle) helfen, überschüssige Körperwärme loszuwerden.
    Eine sehr einfache und kostengünstige Möglichkeit ist die Kühlung mit einem Berieselungsschlauch (Quelle: Beratung für Naturland)
    Eine sehr einfache und kostengünstige Möglichkeit ist die Kühlung mit einem Berieselungsschlauch (Quelle: Beratung für Naturland)

Abkühlen mit Wasser – aber richtig!

Duschen oder Berieselung im Kotbereich sind eine einfache und effektive Methode zur Kühlung. Wichtig dabei:

  • Nur über Spalten oder gut entmistbaren Bereichen installieren – keine Mischung aus Wasser und Kot!
  • Düsen mit Bedacht auswählen: Feiner Nebel kühlt gut, kann bei Wind aber abdriften
  • Praktische Lösung: Ein Berieselungsschlauch aus dem Baumarkt – kostengünstig und einfach nachzurüsten.

Tipp: Duschintervalle flexibel gestalten – je nach Witterung und Stallbelegung.

 

Suhlen – natürliche Alternative?

Vereinzelt setzen Betriebe auf künstliche Suhlen – flache, wassergefüllte Rinnen im Kotbereich. Sie entsprechen dem natürlichen Kühlverhalten von Schweinen.

Aber: Suhlen bergen hygienische Risiken. Keime und Parasiten können sich über mehrere Buchten hinweg verteilen. Daher: Suhlen nur in Kombination mit Rein-Raus-Systemen oder stabilen Ferkelbezügen – und immer in Abstimmung mit Tierarzt oder Beratung

Das Schwein als Bauchkühler kann sich in Suhlen abkühlen. Dazu reichen wenige Zentimeter tiefe Suhlen (Quelle: Beratung für Naturland)

Das Schwein als Bauchkühler kann sich in Suhlen abkühlen. Dazu reichen wenige Zentimeter tiefe Suhlen (Quelle: Beratung für Naturland)

Wasser ist Leben – besonders im Sommer

Die Wasserversorgung muss bei Hitze gesichert und angepasst werden:

  • Tränkedruck prüfen (1–2 Liter/min), damit alle Tiere schnell genug trinken können.
  • Mehrere Tränkeplätze pro Gruppe anbieten – besonders wichtig bei rangniedrigeren Tieren.
  • Tränken regelmäßig reinigen, da warmes Wasser schneller verkeimt.
  • Ideal: kühles Wasser aus tief liegenden Leitungen oder isolierte Rohre.

Tipp: Wenn Schweine nach dem Trinken sofort im Wasser liegen bleiben oder das Liegeverhalten auffällig wird, ist das ein Signal für zu hohe Stalltemperatur.

Fütterung und Management anpassen

Bei Hitzestress sinkt die Futteraufnahme. Um Zunahmen stabil zu halten, helfen folgende Maßnahmen:

  • Fütterung in die kühlen Tageszeiten legen – früh morgens oder spät abends.
  • Breifütterung oder Flüssigfütterung erleichtern die Aufnahme.
  • Elektrolyte und Puffersubstanzen können den Kreislauf stabilisieren

Nicht vergessen: Stallklima ganzheitlich betrachten

Ein gutes Stallklima braucht mehr als Duschen:

  • Isoliertes Dach oder hinterlüftete Überdachung reduziert Hitzestau.
  • Ausrichtung nach Nord-Nordost bei Neubauten empfohlen.
  • Zusätzliche Beschattung (z. B. mit Pflanzen oder Vordächern) senkt die Temperatur spürbar.
  • Wichtig für die Gesundheit: Schweine können Sonnenbrand bekommen – Schatten ist also auch aus Tierschutzgründen Pflicht.

Fazit: Hitzestress ist vermeidbar – mit System

Im Bio-Betrieb sind Schweine besonders auf gute Haltungsbedingungen angewiesen, wenn es heiß wird. Wer Funktionsbereiche klug strukturiert, Wasserzugang sichert, das Stallklima beobachtet und Kühlmöglichkeiten schafft, schützt nicht nur das Tierwohl – sondern sichert auch die Wirtschaftlichkeit des Betriebs.

Denn Schweine, die sich wohlfühlen, fressen besser, sind ruhiger und wachsen gleichmäßiger – selbst bei hochsommerlichen Temperaturen.

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Mehr Infos findest du in Artikel aus den Ausgaben 2/2024 und 2/2025 der Naturland Nachrichten.

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