Weidehaltung von Kälbern im Bio-Landbau
Die Weidehaltung von Kälbern ist ab 2025 verpflichtend im Bio-Landbau – und stellt viele Betriebe vor neue Herausforderungen. In diesem Artikel erfährst du, ab wann Kälber auf die Weide dürfen, wie du sie vorbereitest und worauf du bei Fütterung, Parasitenkontrolle und Weidemanagement achten solltest.
Die Weidehaltung von Kälbern und Jungvieh ist ein zentrales Thema für Bio-Höfe und gleichzeitig oft eine Herausforderung. Nach den neuen Umsetzungsvorgaben der Öko-Verordnung muss ein Bio-Kalb nach drei Monaten Milchtränke und einem weiteren Monat Übergangsfütterung Weidegang erhalten – zumindest in der Weidezeit von April bis Oktober. Was in Österreich bereits seit 2022 Pflicht ist, wird nun auch in Deutschland verpflichtend sein.
Kälber an die Weide gewöhnen: Tipps zur Anlernweide und Fütterung
Kälber können grundsätzlich schon mit wenigen Wochen an die Weide angelernt werden. Soll die Weide aber über die Bewegung an der frischen Luft hinaus auch einen Beitrag zur Fütterung leisten, muss der Pansen entwickelt sein. Entscheidend für den Erfolg ist also weniger das Alter selbst, als vielmehr, ob das Kalb gut auf das Fressen vorbereitet wurde und ob auf der Weide ein Witterungsschutz mit Zufütterungsmöglichkeit besteht. Eine sogenannte „Anlernweide“ ist der Schlüssel zum Erfolg: Hofnahe, überschaubare Flächen mit Sichtschutz (z. B. Bäume) und gut sichtbare Litzen als Zaunstruktur helfen den jungen Tieren, sich an die neue Umgebung zu gewöhnen.

Ein Anlernplatz für Kälber muss gut eingezäunt sein und mit einer gut sichtbaren Stromlitze versehen werden. (Foto: Sebastian Wagner)
Fütterung & Pansenentwicklung: Worauf du bei der Umstellung achten musst
Kälber erhalten im Öko-Landbau drei Monate Vollmilch. In der Regel säuft das Kalb nach dem ersten Lebensmonat so viel, dass nach und nach angefangen wird, die tägliche Milchmenge zu begrenzen. Dadurch muss sich das Kalb sukzessive mehr Nährstoffe über das Futter holen, es entwickelt sich zum Wiederkäuer. Bestes Kälberheu und Wasser muss schon nach der ersten Lebenswoche angeboten werden. Blätter und Stängel sorgen für Geschmacksvielfalt und regen das Kalb zum Fressen an. Damit das funktioniert, ist unbedingt auf beste Qualität zu achten, zum Beispiel muss Heu täglich erneuert werden. Insbesondere wenn in der Aufzucht auf Kraftfutter verzichtet werden soll, ist die Qualität des Heus entscheidend. Silage sollte erst mit dem Abtränken zum Ende des dritten Monats angeboten werden. Sollen die Kälber in dieser Entwicklungsphase zur Ergänzung der Stallfütterung schon auf die Weide, muss auf besonderes hochwertiges (Aufwuchshöhe 5-15 cm) und vor allem sauberes Weidefutter Wert gelegt werden. Zu schnelles Umschwenken auf Weidefutter kann aber Probleme verursachen.
Weidepflicht und Parasiten: Risiken erkennen, Infektionen vermeiden
Speziell Kälber sind gegenüber Parasiten sehr empfindlich und auf der Weide können Kokzidien, Lungen- oder Magendarmwürmer auftreten. Rinder entwickeln zwar vor allem gegen Magendarmwürmer schnell eine gewisse Immunität, eine zu hohe Parasiteninfektion führt aber zu Abmagerung und Durchfall. Ein struppiges Fell ist häufig ein Anzeiger für eine fortgeschrittene Parasiteninfektion. Eine Koppelteilung von Kälberweiden, durch die ein Schnitt-Weide-Wechsel ermöglicht wird, ist die beste vorbeugende Maßnahme, um Infektionsketten zu unterbrechen. Herbstweiden sollten nicht als Frühjahrsweiden genutzt, sondern der erste Schnitt gemäht werden, weil Parasitenlarven auf den Flächen überwintern können.
Der Schlüssel: Beobachtung
Bei Kälbern und erstsömmrigen Rindern muss genau hingeschaut werden, wie sich die Tiere entwickeln und bei ersten Anzeichen einer Infektion müssen Gegenmaßnahmen durch den Einsatz von Antiparasitika getroffen werden. Deshalb sollten Bio-Bäuerinnen und Bio-Bauern besonders in der Anfangszeit genau hinschauen und regelmäßig Kotproben nehmen.
Checkliste: 7 Tipps für eine erfolgreiche Kälberweidehaltung
- Hofnahe Anlernweide mit Sichtschutz (z.B. Bäume) einrichten, gut sichtbare Litzen für die Anlernweide verwenden
- Bestes Kälberheu und Wasser nach der ersten Lebenswoche anbieten
- Heu täglich erneuern
- Silage erst zum Ende des dritten Monats anbieten
- Kälberweide in Koppeln teilen
- Schnitt-Weide-Wechsel
- Kontrolle & Kotproben nehmen

Zum Start der Weidehaltung der Kälber ist eine schattige Anlernweide sinnvoll. (Fotos: Sebastian Wagner)
Fazit
Weidehaltung von Kälbern ist kein Selbstläufer. Kälber und Jungvieh auf der Weide sollte immer im Auge behalten werden.
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