Sauertränke für Kälber

Eine Sauertränke in der Kälberaufzucht klingt für viele zunächst ungewöhnlich. In der Praxis hat sich dieses Tränkesystem für Kälber jedoch besonders in Bio-Betrieben bewährt.

14 Juni 2025

Was ist eine Sauertränke in der Kälberhaltung?

Die Sauertränke ist eine mit Säure versetzte Milch, meist mit einer Temperatur von 25–30 °C. Ziel ist es, den pH-Wert der Milch zu senken, um:

  • krankmachende Keime zu hemmen
  • die Tiergesundheit zu verbessern
  • das Futter ad libitum verfügbar zu machen

Ein weiterer Vorteil: Die Kälber erhalten gleichmäßig über den Tag Nahrung, was die Futteraufnahme stabilisiert und Arbeitsspitzen reduziert.

Sauertränke in der Praxis: So gelingt der Start

  • Ab der zweiten Mahlzeit sollte bereits angesäuerte Milch gegeben werden
  • Kolostrum (Biestmilch) nicht ansäuern!
  • Frühzeitige Gewöhnung minimiert Akzeptanzprobleme

Die Sauertränke für Kälber ist eine mit Säure versetzte Milch, meist mit einer Temperatur von 25–30 °C. (Fotos: Naturland / Sebastian Stiphout)

Die Sauertränke für Kälber ist eine mit Säure versetzte Milch, meist mit einer Temperatur von 25–30 °C. (Fotos: Naturland / Sebastian Stiphout)

Sauertränke herstellen

Viele Futtermittelhersteller vertreiben sogenannte Ansäuerungszusätze. Diese Ergänzungsfuttermittel sind in der Regel Gemische verschiedener Säuren. Der Vorteil dieser Produkte, meist Pulver, liegt vor allem in der genauen Dosierempfehlung und einfachen Handhabung mit geringerem Sicherheitsrisiko. Der gewünschte pH-Wert lässt sich daher mit ihnen einfach einstellen.

Beispiele für solche Produkte sind:

  • Milkivit Selko O-RSD: 1ml/Liter, Säure zuerst in den Eimer
  • Vetro Star Ökuh Lacsan: Bio-Apfelessig, Zitronensaft, Milchsäurebakterien
  • Salvana Kälber Vital: Bio-Pulver mit Vitaminen und Mineralien

Auch mit Bio-Apfelessig lässt sich Vollmilch gut ansäuern – der Aufwand ist aber etwas größer. Man muss sich anfangs an die optimale Menge Essig herantasten, um den richtigen pH-Wert zu finden. Meist sind 30 – 50 ml Essig/l Milch nötig. Hierfür sollten pH-Teststreifen oder Indikatorpapier verwendet werden. Werte um pH 4,5 haben sich in der Praxis bewährt, darunter sollte der pH-Wert nicht gesenkt werden. Sonst kann es zu völliger Verweigerung der Futteraufnahme kommen.

Wichtig: Produkte, die zur Ansäuerung genutzt werden, müssen als Futtermittel, Ergänzungsfuttermittel oder Futtermittelzusatzstoff zugelassen sein. Bio-Betriebe müssen zudem auf Bio-Produkte zurückgreifen, auch bei Essig.

Die richtige Tränketemperatur

Bei der Zubereitung der Tränke gibt es das Eine oder Andere zu beachten: Je wärmer die Milch, desto stärker die Gerinnung. Stark geronnene Milch klumpt und kann die Nuckel zusetzen. Vor allem, wenn mit einem pH-Wert unter 5 angesäuert werden soll, empfiehlt es sich, eine relativ kalte Milch mit 25 – 30 °C zu verwenden. Milch direkt aus der Milchpumpe hat in der Regel diese Temperatur.

Das Ansäuerungsprodukt wird dann unter ständigem Rühren zugesetzt. Zuletzt sollte der pH-Wert der fertigen Tränke mit Indikatorpapier überprüft werden. Die Milch kann nun vertränkt werden.

Hygiene beim Tränkesystem ist entscheidend

Trotz keimhemmender Wirkung der Säure gilt:

  • Nur in sauberen Eimern und Nuckeln verwenden
  • Kunststoff regelmäßig erneuern – Säure rauht ihn auf
  • Ein Eimer pro Kalb, idealerweise ein neuer Nuckel
  • Deckel verwenden (z. gegen Stallfliegen)
  • Reinigung: mind. 2–4× pro Woche, im Sommer häufige

Warmsauer- oder Kaltsauertränke?

Von Warmsauer-Tränken spricht man, wenn bei einer Milchtemperatur über 30°C vertränkt wird. Die Milch wird in der Regel nicht ad libitum, sondern rationiert angeboten. Angestrebt wird ein pH-Wert von ca. 5,5.

Bei Kaltsauer-Tränken (Tränketemperatur 25-30°C) muss stärker angesäuert werden (pH-Wert von ca. 4,5) um die Verdaulichkeit zu verbessern. Ad libitum Tränken sind üblich.

Auch im Winter kann weiterhin kalt vertränkt werden. Hier sollte aber besonders auf gutes Kleinklima im Stall und ausreichende, trockene Einstreu im Liegebereich geachtet werden. Anstatt die Tränketemperatur anzupassen, sollte der Mehrbedarf an Energie in der kalten Jahreszeit über eine größere Milchmenge gedeckt werden.

Wer dem Kalb etwas Gutes tun will, verwendet je Kalb einen neuen, relativ festen Nuckel. Das Loch im Nuckel darf nicht vergrößert werden. Dadurch ist der Schluck, den ein Kalb aufnimmt, kleiner. Diese kleinere Menge kann in Maul und Speiseröhre einfacher auf Körpertemperatur erwärmt werden.

Ab der zweiten Mahlzeit sollte den Kälbern die Milch angesäuert als Sauertränke verabreicht werden.

Ab der zweiten Mahlzeit sollte den Kälbern die Milch angesäuert als Sauertränke verabreicht werden.

Kälbergesundheit durch optimale Tränkemenge

Schon häufig konnten Probleme im Kälberstall wie Durchfall, Infektionen oder schwache Kälber mit größeren Milchmengen oder ad libitum-Tränke gelöst werden. Empfehlung der Beratung für Naturland:

  • Ab der 3. Lebenswoche mind. 10–14 Liter Milch pro Tag

Ein „Großhungern“ der Kälber wird damit ausgeschlossen und die Säuglinge können sich entsprechend gut entwickeln und sind wenig anfällig.

Fazit: Sauertränken sinnvoll einsetzen

Sauertränken bieten viele Vorteile – weniger Keime, bessere Verdauung, ad libitum-Fütterung. Doch ohne Hygiene bleiben diese Potenziale ungenutzt. Frühzeitige Gewöhnung und ein konstanter pH-Wert sind der Schlüssel zu gesunden, widerstandsfähigen Kälbern.

🎙️ Milch sauer – Kälber happy? In unserer neuen Podcast-Folge erfährst du, warum angesäuerte Milch nicht nur schlauer klingt, sondern wirklich funktioniert. 

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In unserem Merkblatt zur Sauertränke hast du alle Informationen auch nochmal zusammengefasst und zum abspeichern dargestellt

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Mehr Infos findest du zudem in der Ausgabe 5/2024 der Naturland Nachrichten.

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