Zwischenfrüchte – Leistungen im Fokus

Starke Wurzeln, starker Boden: Zwischenfrüchte unterstützen langfristig Bodenfruchtbarkeit, Biodiversität und Nährstoffkreisläufe im Ökolandbau – vorausgesetzt, sie werden gezielt und standortgerecht eingesetzt.

17 Juli 2025

Fruchtfolge, Standort und Ziel bestimmen die Mischung

Zwischenfrüchte sind vielfältig, ihre Wirkung hängt jedoch stark von den Zielen ab:

  • Stickstoffbindung durch Leguminosen
  • Nährstoffkonservierung durch tiefwurzelnde Arten wie Ölrettich
  • Bodenbedeckung & Erosionsschutz durch schnellwachsende Gräser
  • Unkrautunterdrückung durch großblättrige Arten wie Buchweizen oder Sonnenblume

Aber auch die Vor- und Nachfrucht, die Bodenart, die Niederschlagsverteilung und der geplante Umbruchzeitpunkt beeinflussen die Auswahl der Arten und Mischung.

Reinsaat oder Mischung? – Die richtige Form für den richtigen Zweck

Ob Reinsaat oder Mischung: Beide Varianten haben ihre Berechtigung – je nach Betriebsziel, Vor- und Nachfrucht, Bodenverhältnissen, Saatzeitpunkt und Fruchtfolgeplanung.

Reinsaat – gezielte Wirkung mit einfacher Struktur

Reinsaaten eignen sich, wenn ein konkreter Effekt im Vordergrund steht, etwa:

  • Ölrettich zur tiefen Durchwurzelung und Nährstoffkonservierung
  • Phacelia zur Unkrautunterdrückung und Förderung von Bestäubern
  • Leguminosen wie Alexandrinerklee zur Stickstofffixierung

Vorteile der Reinsaat:

  • Einfache Saatgutbeschaffung
  • Gleichmäßiges Auflaufen
  • Gezielte Wirkung
  • Gut Planbarer Umbruch

Mischungen – Vielfalt mit System

Mischungen kombinieren die Vorteile mehrerer Arten und schaffen ein resilientes Pflanzenbestandssystem. Besonders im Ökolandbau bewährt haben sich Mischungen mit 3–5 funktionell unterschiedlichen Komponenten, etwa:

  • Leguminose (z. B. Perserklee) – Stickstofffixierung
  • Kreuzblütler (z. B. Ölrettich) – Stickstoffkonservierung
  • Gräser (z. B. Rauhafer) – Aufwuchs und Erosionsschutz
  • Blühpflanzen (z. B. Phacelia, Buchweizen) – Biodiversitätsförderung

Vorteile der Mischung:

  • multifunktional (Struktur, Stickstoff, Biodiversität)
  • robuster gegen Ausfälle einzelner Arten
  • längere Bodenbedeckung durch Komponenten mit unterschiedlicher Entwicklung
  • bessere Anpassung an wechselnde Wetterlagen

 Wichtig: Mischungen müssen standortgerecht gewählt werden. Die Artenwahl der Mischungskomponenten auch phytosanitär an die Fruchtfolge anpassen. Zudem ist auf Saatgutreinheit zu achten, besonders bei Importware (z. B. Gefahr durch Kleeseide in Ramtilkraut).

Wahl der Mischung abhängig von Ziel und Fruchtfolge

Die Auswahl der Zwischenfrucht hängt ab von:

  • Ziel (Nährstoffspeicherung, Bodenlockerung, Biodiversität etc.)
  • Vor- und Nachfrucht (z. B. Getreide – Mais)
  • Bodenart und Niederschlag
  • Umbruchzeitpunkt (Winterhärte, Abfrierverhalten)

Podcast Folge 14 ZWF 

Zwischenfrüchte sind ein zentrales Werkzeug im Ökolandbau – sie wirken über das Wurzelsystem und darüber hinaus. (Quelle: Johannes Siebigteroth, Uni Bonn)

Wasserhaushalt mitdenken

In Trockenlagen oder auf leichten Böden ist der Wasserverbrauch ein kritischer Punkt. Hier empfiehlt sich der Einsatz abfrierender Zwischenfrüchte, die keine zusätzliche Verdunstung im Frühjahr verursachen.

Auf schweren Böden mit hoher Wasserspeicherfähigkeit hingegen können winterharte Arten im Frühjahr Nährstoffe weiter mobilisieren und die Bodenstruktur verbessern – sofern der Umbruch rechtzeitig und trocken erfolgt.

Der richtige Umbruch: Nicht zu spät, nicht zu nass

Ein häufiger Fehler ist, Zwischenfrüchte zu lange stehen zu lassen oder sie im grünen Zustand einzuarbeiten. Das führt zu Fäulnis, Stickstoffbindung und schlechter Rotte.

Empfehlungen für den Umbruch:

  • Abfrierende Bestände: nicht sofort bearbeiten, sondern 2–3 Wochen abwarten
  • Winterharte Bestände: bei ersten Wachstumszeichen im Frühjahr flach einarbeiten
  • Gerätewahl anpassen: Walze, Grubber, ggf. Messerwalze – abhängig von Bestand und Ziel

Fazit

Zwischenfrüchte sind ein zentrales Werkzeug im Ökolandbau – sie wirken über das Wurzelsystem und darüber hinaus. Mischungen bieten gute Effekte, wenn sie richtig geplant, standortgerecht ausgewählt und passend umgebrochen werden. Richtig eingesetzt verbessern sie Bodenfruchtbarkeit, Biodiversität und Wirtschaftlichkeit des Betriebs nachhaltig.

Was können Zwischenfrüchte wirklich leisten in Sachen Stickstoffaufnahme, Humusaufbau, Bodenstruktur, Durchwurzelung & Wasserhaushalt – und wo stößt das „Multitool Zwischenfrucht” an seine Grenzen?  All das klären wir im Podcast.

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 Mehr Infos findest du im Artikel aus der Ausgabe 3/2024 der Naturland Nachrichten

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